Lilien und Taglilien – Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Lilien und Taglilien – Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Lilien und Taglilien – Was ist der Unterschied? Warum ist eine Taglilie keine Lilie, wie etwa die Madonnenlilie, obwohl sie „Lilie“ heißt? Grund genug, endlich die feinen Unterschiede kennen zu lernen.

Was ist also der Unterschied zwischen einer Taglilie und einer richtigen Lilie? Wie kann man sie erkennen, auch ohne große Botanikkenntnisse? Beide heißen in ihrem deutschen Pflanzennamen „Lilie“ und blühen in den Sommermonaten. Wie sehen aber ihre Verwandschaftsverhältnisse aus? Wie kann man sie einfach auseinanderhalten?
Wer gerne mehr über diese Pflanzen wissen möchte, ohne vorher großartige botanische Schulkenntnisse aus dem verborgenen Gedächtnis zu kramen, liest einfach weiter.

Lilie – Taglilie: Ganz einfache Unterscheidungsmerkmale : Sie müssen einfach nur ihre Augen die Blume entlang wandern lassen. Nachdem man zuerst auf die spektakuläre Blüte blickt, wandern wir mit dem Auge also von oben nach unten.

Lilie – einfache Merkmale

  • Die Blüte besteht aus 6 (3+3) Blütenblättern (Perigon), die in zwei Kreisen à 3 gleichen Blättern angeordnet sind. Die 6 (3+3) Staubblätter sind dick und ihr Blütenstaub fällt leicht ab. Als Schnittblume deshalb nicht auf empfindliche Unterflächen setzen. Die Narbe am Griffel ist meist verdickt.
  • Die Blüten der Lilie sitzen an einem einzelnen aufrechten Stängel.
  • Am Stängel befinden sich sowohl die Blätter, als auch die Blüten.
  • Die Pflanze entspringt an einem Punkt aus der Zwiebel . Die Lilie ist, wie auch  die Tulpe ein Zwiebel-Geophyt. So, jetzt zur Taglilie ….

Taglilie – einfache Merkmale

  • Die Einzelblüte ist 3-zählig mit 6 Staubblättern und einem längeren oberständigen Fruchtknoten. Die 3 äußeren Blütenblätter sind schmäler als die 3 inneren, unterschiedlich lang und zu einer Röhre verwachsen. Die inneren sind meist gewellt. Der Griffel ist lang und schmal. Die Staubblätter mäßig dick.
  • Viele einzelne, meist unterschiedlich offene Blüten stehen verteilt im oberen Drittel des Stängels. Es können bis zu 30 Blüten sein. Die Blütenstängel sind immer unbeblättert.
  • Taglilien haben lange schilfähnliche Blätter , die meist weit überhängen.
  • Blätter und Blütenstängel entspringen aus einem Mittelpunkt, in diesem Fall einem Rhizom .
  • Die Taglilie wurde 2018 zur Staude des Jahres gewählt. Sie ist enorm beliebt, leicht zu halten und so eine Vielfalt wie bei Hemerocallis gibt es selten. Es gibt einfache und gefüllte Blüten, es gibt sie gerüscht, gewellt, trichter-, stern-, schalen- oder spinnenförmig in Weiß, Gelb, Orange, Rot, Violett, Purpur, Creme, Pink, Lavendel und fast Schwarz. Wer soll da widerstehen? Auch in der Höhe variiert die Taglilie mit 30 cm bis zu 1,50 m, also passend für jeden Gartenbereich, aber auch für die Terrasse und Balkon.

Deshalb organisieren auch Staudengärtnereien gerne Tage der Taglilie mit vielen verschiedenen Sorten. Übrigens kann man Taglilienblüten auch essen, wobei gelbe oder orange und kleinblütige in der Regel duftiger und aromatischer schmecken. Kosten Sie diese im kommenden Sommer einfach mal! 

Zurück zur namensgebenden Lilie …

Lilien – Historie

Lilie – orientalische Hybride

Lilium, ilili, lili bedeutete in der Antike „Blume schlechthin“. Die Gattung Lilie ist auch Namensgeber für die Familie der Liliengewächse (Liliaceae) . Durch die neueren genetischen Forschungen haben sich allerdings so einige Gattungen und Arten aus dieser Familie verabschiedet, also das botanische Wissen aus Schulzeiten ist oftmals längst überholt. Schon in der Antike wurde die Madonnenlilie Lilium candidum wegen ihrer Schönheit vielerorts abgebildet. Im Palast von Knossos (Kreta) wurde eine Vase mit aufgemalten Lilien gefunden. Auf zahlreichen antiken Fresken ist ihr Abbild ebenfalls anzutreffen.

Die Lilie als Heilpflanze

Die Kronblätter der Madonnenlilie sind antiseptisch, wundheilend. Früher wurden dazu die Blätter in Alkohol konserviert und als eine Art Wundverband verwendet. Knollen und Blüten enthalten Bor. Alle Anwendungen der Lilie sind äußerlich. Der starke Duft der Lilien ist in geschlossenen Räumen allerdings nicht ungefährlich, da er zu Übelkeit bis hin zu Vergiftungserscheinungen führen kann.

Liliengewächse

Liliengewächse/Liliaceae zählen zu den einkeimblättrigen Blütenpflanzen. Sie sind pflanzengeschichtlich die weiter entwickelte Form nach den Sporenpflanzen. Der Blütenstaub wird nunmehr nicht mehr vom Wind, sondern von den Insekten weiterverbreitet. Samen besitzen schützende Hüllen. Die Liliaceae haben schuppige Zwiebeln zum Überwintern. Die 6 Perigonblätter sind frei, die 3 oberständigen Fuchtblätter bilden beim Reifen eine Kapselfrucht. Die Blätter wachsen wirtelig oder spiralförmig angeordnet am Stängel. Etwa 100 Arten zählen zur Gattung Lilium selbst; die in den gemäßigten Klimazonen Eurasiens und Nordamerika beheimatet sind. Viele Lilienarten gibt es in China und im Himalajagebiet.

Zur Familie der Liliengewächse gehören neben der Gattung Lilie /Lilium auch die Tulpen / Tulipa und Schachbrettblume/ Frittilaria. Lesetipp: Liliengewächse

In unseren Breiten vorkommende besondere Lilien sind etwa die

  • Türkenbundlilie Lilium martagon

Die Blüten sind groß, rosa bis braunrot und dunkel gefleckt, nickend. Sie ähneln einem Turban. Der Stängel ist dicht beblättert, die mittleren Blätter stehen in Quirlen. Eine seltene Pflanze auf Bergwiesen, in Laubwäldern und Hochstaudenfluren. Vorzugsweise auf Kalk. Blüht von VII-VIII.

Feuerlilie Lilium bulbiferum

„Die Lilie, die Zwiebel macht“ – wörtlich übersetzt; von lat bulbus= Zwiebel, ferum= machend. Die Feuerlilie mit ihren feuerroten Blüten, die auf so mancher Alpenwiese hervorsticht, erkennt man auf diese Weise eben auch im abgeblühten Zustand. In den Achseln der Stängelblätter findet man nämlich die kleinen Kügelchen= Bulbillen; die Brutzwiebel. Die Blüten bilden einen weiten Trichter; an der Innenseite sind sie braun gefleckt. Die Staubgefäße sind auffällig dunkelbraun. Weitere besondere Lilien sind: Turban-Lilie Lilium pomponium, Krainer-Lilie Lilium carniolicum

Kann man in Deutschland üppig blühende Feuerlilien/Feldlilien sehen? Man kann!

Die Feuerlilie Lilium bulbiferum entkam bereits im Mittelalter den Klostergärten und siedelte sich als sogenannte „Feldlilie“ auf den Äckern an. Nur in wenigen Bereichen Deutschlands ist sie noch wild anzutreffen. Ein Bauer allerdings, Harry Beergmann, der sich um die Erhaltung der Vielfalt auf seinen Wiesen und Äckern bemüht, hat ein kleines Paradies geschaffen: der Feldlilienpfad in Govelin westlich von Hitzacker. Ein eigens angelegter Radweg rund um die Felder lässt das Herz von Naturliebhabern leuchten.

Lilien aus dem Mittelmeerraum

Mit zu den schönsten Wildblumen im Mittelmeer, etwa in Griechenland , zählen diejenigen Lilien, die bereits seit Jahrhunderten auch die europäischen Gärten bereichern.

  • Madonnenlilie Lilium candidum
  • Lilium rhodopaeum , ein gelb blühender Endemit auf Rhodopis (Thrakien)
  • Lilium albanicum, ebenfalls gelb blühend im Pindos-Gebirge.
  • Chalzedonische Lilie Lilium chalcedonicum; Die roten Blütenblätter sind ähnlich der Türkenbundlilie, auffällig nach hinten gebogen.

Lilien im Garten

Sämtliche Wildformen der Lilien gedeihen gut in den Gärten und können auch ungestört auf ihrem Platz verbleiben. Besonders schön stehen sie natürlich in Wildstaudenpflanzungen. Dabei vertragen Lilien sehr gut auch schattige Plätze. Beliebte Lilien für den Garten sind Goldbandlilie (Lilium auratum), Madonnenlilie   (Lilium candidum), Tigerlilie (Lilium tigrinum) und Königslilie (Lilium regale). An Zuchtformen gibt es außerdem noch eine große Farben und Formen-Vielfalt.

Gartentipps : Eine Drainageschicht aus Kies unterhalb der schuppigen Zwiebel und eine Mulchschicht aus Laub oben darauf, damit der Boden schön feucht bleibt nach dem Pflanzen und der kommenden Schönheit steht fast nichts im Weg. Die Zwiebel wandert von selbst in die optimale Tiefe. Man hat Lilienzwiebel schon 40 cm tief im Boden eingegraben gefunden. Die Stiele bitte nach der Blüte unbedingt stehen lassen! An ihnen bilden sich nach der Blüte sogenannte Brutzwiebel, die dann von selbst runterfallen und sich in die Erde ziehen. Auch aus einzelnen Zwiebelschuppen kann man neue Lilien ziehen.

Wann soll man eine Lilie pflanzen? Die beste Pflanzzeit für Lilien ist im Frühling zwischen März und Mai. Ausnahme von der Regel: Nur Madonnenlilien pflanzt man im Herbst . Am besten bereits Ende August, dann kann sie im September noch ihren Speicher auffüllen für eine wunderschöne Blüte im nächsten Jahr.

Noch ein paar besondere Vertreter aus der Lilienfamilie gefällig? Wie etwa die Zahnlilien …. Die Zahnlilien (Erythronium) sind eine Pflanzengattung aus der Familie der Liliengewächse (Liliaceae). Zahnlilien sind mehrjährige Lilien aus den gemäßigten Zonen Eurasiens und Nordamerikas. Oder die im Herbst blühenden Krötenlilien/Tricyrtis. Die Gattung Tricyrtisgehört ebenso zu den Liliengewächsen (Liliaceae).

So, ab geht es wieder zu den Taglilien

kleinwüchsige Taglilien-Sorte

Taglilien

Die aus Ostasien stammende Gattung Hemerocallis zählt zu der Famlie der Grasbaumgewächse, (nie gehört?) Der Name gr. hemerokallis bedeutet „nur einen Tag lang schön“ (gr. heméra=Tag und kállos=Schönheit), wer sie bereits im Garten hat, kann das bestätigen, denn die einzelnen Blüten gehen immer nur für einen Tag auf – daher der Name „Taglilie“, dafür stehen sie so zahlreich auf den Stielen, dass sie scheinbar sehr lange blühen. Die offenen Blüten drehen sich immer der Sonne zu. Seit dem späten 16. Jhdt wird sie auch bei uns kultiviert. Angeblich wurden die ersten Pflanzen der gelben Taglilie ( Hemerocallis fulva) über die Seidenstraße in den Nahen Osten eingeführt. Sie war jedenfalls sogar bereits in der Antike den Griechen bekannt.

Taglilien wurden bereits im alten China geschätzt; sowohl in der Medizin als auch als Gemüse. In einem Gedicht aus der Zeit um 500 v. Chr. ist bereits von einer Taglilie zu lesen. Sie gilt in China als Blume des Vergessens, die auch Liebesschmerz verwelken lässt. Die ersten Abbildungen stammen von 1059 v. Chr. In einem in China erschienenen „Blumenspiegel“ werden 3 Formen der Taglilie vorgestellt, eine gelbe, eine rötlich überhauchte und eine rötliche gefüllte. In Europa tauchen Taglilien erst 1576 in Schrift und Bild auf: Hemerocallis flava ( syn. H. lilioasphodelus ) und Hemerocallis fulva . Seit 1900 gibt es systematische Züchtungen. Wildarten, sowie Hybridzüchtungen gibt es seitdem in vielen wunderbaren Farbtönen von rosa-grün, über gelb bis orange; sogar in ziegelrot. Zitronengelb und duftend ist etwa Hemerocallis citrina, orangerot Hemerocallis fulva. Hemerocallis fulva hat noch den Beinamen: Bahnwärterlilie“, weil sie vermutlich aus den Bahnwärter-Gärtchen heraus ihren Weg bis in die damaligen Bauerngärten gefunden hat.

Anmerkung: Schon früh (Ende 16. Jhdt.) ist die Gelbe Taglilie ( Hemerocallis lilioasphodelus) nach Europa eingeführt worden und dort verwildert und gilt als eingebürgerter Neophyt! So gibt es in Deutschland und Österreich etwa mehrere Schutzgebiete . In Asien, auch in der TCM, wird die Taglilie, sowohl als essbare Pflanze als auch für medizinische Zwecke eingesetzt.

Taglilien und die Grasbaumgewächse

Die Familie der Grasbaumgewächse Xanthorrhoeaceae bestand vor 2009 nur aus der Gattung der Grasbaumpflanzen. Durch neue genetische Untersuchungen wurde sie erweitert. Ehemals eigene Familien, die Affodillgewächse (Asphodelaceae) und Tagliliengewächse (Hemerocallidaceae) zählen nun auch dazu. Der botanische Gattungsname Xanthorrhoea und der Familienname Xanthorrhoeaceae leitet sich von den griechischen Wörtern xanthós für „gelb“ und rhoie für „fließen, Ausfluss“ ab und bezieht sich auf das gelbe oder rote Akaroid-Harz.

Taglilien historisch gesehen :

Taglilien im Garten

Taglilien eignen sich, wegen der Blatthorste, die sie bilden, besonders als Solitärpflanzen . Unsere steht seit 30 Jahren im Garten und zig Nachbargärten freuten sich über Abstiche. Sie gedeihen in nahezu allen Böden. Je mehr Sonne, desto besser blüht die Pflanze, denn die Blüten richten sich immer nach dem Äquator. Gemeinsam mit blaublühenden Pflanzen kann man ein wunderbares Staudenbeet an einem Wasserbecken damit gestalten. Staudenzüchter Karl Foerster (1874-1970) meinte zu dieser Pflanze, sie sei: „Die Blume des intelligenten Faulen“.

Gartentipps : Alle 3-4 Jahre kann man getrost die Wurzelstöcke teilen, denn sie neigt dazu sich ordentlich auszubreiten. Bei den meisten Arten und Sorten zieht das Laub im Winter ein. Auch im Topf kann man kleinere Taglilien-Sorten halten. Wer clever ist, pflanzt rund um die Taglilie Frühlingsblüher, wie Narzissen, Hyazinthen oder Tulpen, denn beim Hochwachsen der Taglilienblätter ist genügend Licht und Luft für hübsche Geophyten. Und sind die verblüht, wird das einziehende Laub dieser Pflanzen dann locker durch die Hemerocallisblätter verdeckt. Einige hübsche Taglilien noch zum Appetit anregen.

Quellen:

Neben der eigenen gärtnerischen Erfahrung informative Sachbücher, wie

  • Botanica , Könemann; Verlagsgesellschaft mbH, 2000 Köln
  • Kosmos Atlas Mittelmeer- und Kanarenflora , Schönfelder; Franckh-Kosmos Verlag, 2011 Stuttgart
  • Teufelsgeige und Witwenblume , Pichler/Geiser/Zuber; Christoph Merian Verlag, 2010 Bern
  • Geheimnisse und Heilkräfte der Pflanzen , Verlag das Beste, 1980 Stuttgart
Hemerocallis fulva im Abendlicht