Preiselbeere gegen Cranberry:  ist beides dasselbe in Grün oder besser in Rot?

Preiselbeere gegen Cranberry: ist beides dasselbe in Grün oder besser in Rot?

Preiselbeere am Berg

Sind Cranberry – Preiselbeere alles das Gleiche? Oder sind das verschiedene Beeren?

Eine Beere ist in aller Munde, besonders bei gesundheitsbewussten Menschen, nämlich „Cranberry“. In aller Munde bei Feinschmeckern aber ist vor allem die Preiselbeere und nicht genügend Leute meinen, beides sind das Gleiche.

Cranberry – Preiselbeer – Moosbeer – Einmaleins

Um mit Shakespeare zu sprechen: „Preiselbeere oder nicht Preiselbeere, das ist hier die Frage?“ Gleich vorweg: „Cranberry“ ist nicht die englische Bezeichnung für Preiselbeere. Die Preiselbeere heißt im Englischen: cowberry , lingonberry , mountain cranberry. So ist z.B. Lingonberry jam=Preiselbeermarmelade. Cranberries und Preiselbeeren gehören zwar zur selben Pflanzenfamilie, unterscheiden sich jedoch in Herkunft, Strauchgröße, Beerengröße und Geschmack. Die Cranberry (Kranbeere) sieht ähnlich aus wie die Preiselbeere, nur viel größer und auch die eher unbekannte Moosbeere gehört zur gleichen Pflanzengattung. Die „neumodische“ Cranberry ist übrigens ein Import aus Nordamerika. Moltebeeren ähneln zwar im Namen den Moosbeeren, aber die gehören schon gar nicht dazu, denn sie sind in der Familie der Rosengewächse zu Hause.

Ist Cranberry nun die englische Bezeichnung für Preiselbeere? Ein eindeutiges „Nein“, wurde schon erwähnt, auf englisch heißt die Preiselbeere cowberry , lingonberry , mountain cranberry die aus Nordamerika stammende Cranberry (Vaccinium macrocarpum) heißt mit deutschem Namen Großfrüchtige Moosbeere oder auch Kranbeere und ist zwar wie die heimische Preiselbeere (Vaccinium vitis-idea) ein Heidekrautgewächs ( Ericaceae ), aber eine andere Art. Die Beere ist deutlich größer (kirschgroß) und vom Geschmack her nicht mit der Preiselbeere zu verwechseln. Die Cranberry könnte man quasi als die dicke amerikanische Verwandte unserer heimischen Moosbeeren (Vaccinium oxycoccus und Vaccinium microcarpum) bezeichnen.

Ein bisschen Botanik zum besseren Verständnis: Die Gattung Vaccinium, in die unsere Preiselbeeren, Heidelbeeren, Moosbeeren und auch die Cranberry gehören, ist mit etwa 500 Arten nicht gerade vernachlässigbar klein. Die reich verzweigten, meist kriechenden Zwergsträucher dieser Pflanzengattung Vaccinium (Namensherleitung von lat. bacca =Beere; baccinium =Beerenstrauch) gehören alle zur Familie der Heidekrautgewächse ( Ericaceae ).

Preiselbeere (Vaccinium vitis-idea)

Die Blätter sind immergrün, oberseits glänzend, unterseits matt und punktiert. Die glockenförmigen Blüten sind weiß bis rosa in hängenden Trauben. Die Beeren sind kugelig rot, die Samen braunrot.

Volkstümliche Namen in den Alpenregionen für die Preiselbeere sind weiters: Grantn, Steinbeere und Kronsbeere. Der Zusatz (Artepitheton) vitis- idea bedeutet nicht, dass „Vitis eine gute Idee hatte„, sondern ist schlicht ein Hinweis auf ein häufiges Vorkommen, nämlich am „Weinstock im Idagebirge“ in Griechenland. Der deutsche Name Preiselbeere kommt von Preuschelbeere (breusch=brüchig), weil die Zweige der Preiselbeere leicht brechen. Die Preiselbeere ist eine Pionierpflanze, denn durch ihre enorm gute Anpassung an kalte Regionen gedeiht sie bis in die Subarktis. Sie kommt in Europa bis Grönland vor und über dem großen Teich auch in Nordamerika. Gegen Süden findet man sie bis Mittelitalien. Sie steigt in die Höhe von 2.500 – 3.000m.

  • Die Blütezeit ist von Mai bis Juni. Als Boden liebt sie torfige, kalkarme, sandige Böden, von halbschattig bis sonnig. Auch als Unterholzpflanze ist sie zu finden. Von August bis Oktober ist die mühsame Erntezeit der „Grantn“, möglicherweise stammt dieser im tirolerischen Raum verbreitete Name vom „Grant“ her, den man nach stundenlanger gebückter Haltung auf steilen Berghängen hat. Eingekocht wird sie zu Gelee, Marmeladen, Kompott. Nichts geht über Wild mit Preiselbeerkompott, aber auch das Wiener Schnitzel wird dadurch säuerlich-herb geadelt.
  • Auch auf Tiroler Weihnachtsmärkten/ sprich Christkindlmarkt, darf das „Tiroler Kiachl mit Preiselbeermarmelade“ nicht fehlen.
  • Wer Preiselbeeren im eigenen Garten pflanzen will, findet in den lokalen Gärtnereien Informationen über Sortenauswahl etc.

Die der Gattung Vaccinium den Namen gebenden Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus) sind schwarz/oder blaufrüchtig; daher auch die Namen „Blaubeeren“, „Schwarzbeeren“. Heidelbeeren, besonders Kulturheidelbeeren sind wirklich allen bekannt. Sie sind vor allem roh gegessen ein Genuss.

Ach ja – eine der üblichen kniffligen Fragen der Quizsendungen: Diese Beeren sind auch botanisch eine Beere . Am Ende der Eiszeiten besiedelten die Heidekrautgewächse gemeinsam mit Birke und Kiefern als Erste die vom Eis befreiten Regionen. Auch heute noch lieben sie Moorgebiete.

Cranberry oder Großfrüchtige Moosbeere ( Vaccinium macrocarpon/macrocarpum) :

  • ( gr. makrós =groß, karpós =Frucht), weitere Namen dafür sind Kraanbeere/Kranichbeere oder Kranbeere; auch fälschlicherweise „Kulturpreiselbeere“. 
Cranberry

Sie eroberte in den letzten Jahren den europäischen Markt, doch ihre Heimat liegt im Osten Nordamerikas. Dutzende Städte tragen ihren Namen und sogar zwei Inseln im Staat Maine „Cranberry Isles“ schmücken sich damit. Sie wurde seit dem 18. Jahrhundert bereits großflächig angebaut und darf zu „Thanksgiving“ beim Truthahnessen nicht fehlen.

  • Blütezeit von Juni bis Juli; sie braucht feuchte, sandige, kalkarme, torfige Böden. Die Ernte erfolgt von August bis Oktober. Die fast kirschgroßen Früchte sind herb, sauer und roh ungenießbar. Die Beeren finden Verwendung für Marmeladen, Kompott, Säfte und als Trockenfrüchte.

Gewöhnliche Moosbeere (Vaccinium oxycoccus) :

  • auch Moorbeere oder Torfbeere, Kranichbeere; gedeiht im eher moorigen Gelände. Früher wurde aus den Moosbeeren ebenfalls gerne eine Marmelade hergestellt.
Moosbeere

Rauschbeere (Vaccinium uliginosum), auch Trunkelbeere, Moorbeere oder Nebelbeere genannt

  • Inneres Fruchtfleisch und Saft sind hell. Außen ist die Rauschbeere ebenfalls blau. Soll bei Genuss von zu vielen Beeren einen rauschhaften Zustand herbeiführen.

Alpen-Rauschbeere ( Vaccinium gaultherioides/Vaccinium uliginosum subsp. gaultheroides)

  • Unterart zur obigen Rauschbeere

Kleinfrüchtige Moosbeere (Vaccinium microcarpum)

  • Vorkommen in den Zentralalpen und Ostalpen verbreitet, fehlt im Südwesten ganz. Im Norden jedoch häufig gemeinsam mit der gewöhnlichen Moosbeere am gleichen sumpfigen Standort zu finden.

Hagerups Moosbeere (Vaccinium hagerupii )

  • Vorkommen in Süddeutschland.

Was in manchen Gebieten Österreichs ebenfalls als Moosbeere bezeichnet wird, meint jedoch die Heidelbeere (Vaccinium myrtillus). Auch die bekannten „Moosbeernocken“ haben Heidelbeeren als Fruchteinlage. Einmal mehr sieht man, dass es notwendig ist, eindeutige Bezeichnungen für Arten zu verwenden .

… und die Moltebeere?

Ja die Moltebeere ist schön und gut, aber sie gehört hier nicht dazu. Die Moltebeere, Rubus chamaemorus, ist eindeutig (aus dem botanischen Namen ersichtlich) keine Angehörige der Heidelbeergewächse, sondern ein Rosengewächs und im Norden Europas beheimatet.

Oh wie lecker – Preiselbeere und/oder Cranberry in der Küche

Preiselbeere: Junge Blätter (April/Mai) kann man fein gehackt für Würzen und Saucen verwenden. Achtung: In großer Menge sind die Blätter giftig. Ab September sind die roten Früchte reif, die besonders geschmackvoll als Kompott oder Marmelade eingekocht werden. Getrocknet werden die Beeren auch gerne Teemischungen beigefügt.

Cranberry:  Roh sind sie eher ungenießbar, sie sind sehr sauer und herb. Die im Handel erhältlichen getrockneten Cranberries, aber auch zusätzlich gesüßten Soft-Cranberries, sind eine beliebte Alternative zu Rosinen im Müsli.

Gewöhnliche Moosbeere (Vaccinium oxycoccus und Synonyme: Oxycoccus oxycoccos oder Oxycoccus palustris) wurde früher ebenfalls für Marmeladen gepflückt. Vorkommen: In den Alpen vom Nordwesten bis Osten (fehlt im Süden und Südwesten) in moorigen Gebieten. Ist bereits sehr selten. Die Blüten unterscheiden sich durch ihre zurückgeklappten Zipfel von der Preiselbeere. Die Früchte sind gelbrot bis rot und geschmacklich ähnlich der Preiselbeere.

Kann man Cranberries im eigenen Garten pflanzen?

Cranberries zählen zu den Heidekrautgewächsen und haben deshalb die gleichen Bedürfnisse. Sie benötigen im Garten einen sonnigen Standort mit saurem, nährstoffhaltigem Boden. Diesen können Sie zur Not durch Beimengung von Rhododendron-Erde simulieren. Tipp : Rhododendron oder Heidelbeeren sind gute Pflanzpartner und Sie müssen nur einen Gartenbereich speziell auf diese Bedürfnisse herrichten! Wollen Sie mehrere Sträucher in den Garten setzen, lassen Sie etwa einen halben Meter Abstand zwischen den einzelnen Gewächsen. Beschädigte Wurzeln entfernen, bevor Sie die Pflanze in die Erde setzen. Der Cranberrystrauch breitet sich durch am Boden kriechende Ranken aus, die bis zu einen Meter lang werden können. Die Pflanzen selbst erreichen eine Wuchshöhe von etwa 30 bis 40 Zentimetern. Nach der Pflanzung sind Cranberries sehr pflegeleicht. Die Pflanze kann sich sogar selbst aussäen und dadurch vermehren. Also notfalls die Reißleine ziehen und Jungpflanzen ausgraben und herschenken. Düngen nur zu Beginn der Wachstumsphase im Frühjahr. Die Pflanzen können außerdem durch Stecklinge vermehrt werden. Cranberries behalten ihr rotes Herbstlaub teilweise auch im Winter. Sieht auch hübsch aus.

Zwar keine Fake-News, aber doch eine Täuschung, denn diese neue Gartenpflanze, die Bush Cranberries – ist keine neue Cranberry-Sorte. Sie sind botanisch keine Heidekrautgewächse und mit den Cranberries höchstens optisch verwandt.

*Persönliche Meinung: Ich frage mich immer wieder, wer so dümmliche Bezeichnungen erfindet, die alle irrreführen müssen.

Die Bush Cranberry mit botanischer Bezeichnung Viburnum trilobum ist eine Verwandte des Schneeballs (Viburnum). Die Beeren sind essbar, allerdings nicht roh zu verzehren, da bitter und sauer. Verkocht zu Marmelade, Chutney oder Säften aber sind sie durchaus genießbar. Reif werden sie ab Oktober. Hinweis : Vorsicht, die Früchte des Gemeinen Schneeballs Viburnum opulus sind roh giftig! Wer also diesen Schneeball bereits im Garten hat, sollte wegen Kreuzungen und der Verwechslungsgefahr auf diese neue Sorte lieber ganz verzichten.

Verwendung von Preiselbeere und/oder Cranberry als Heilpflanzen

Preiselbeere: Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind Vitamin C und E, Fruchtsäuren, Gerbstoffe, Mangan, Eisen, Zink, Kupfer und Molybdän und ein hoher Arbutingehalt.

  • Die blutreinigenden und desinfizierenden Inhaltsstoffe der Blätter haben eine leicht harntreibende Wirkung. Die Inhaltsstoffe der Beeren wiederum verhindern ein Andocken von Schadstoffen an der Blasenschleimhaut und werden seit einiger Zeit als pflanzliches Vorbeugemittel bei Blasenentzündung eingesetzt. Auch Gicht und Rheuma können positiv beeinflusst werden.

Cranberry:

  • Die Cranberry ist wie die Preiselbeere eine Arzneipflanze. Cranberrysaft wirkt vorbeugend z.B. gegen Harnwegsinfektionen.

Cranberry – Droht ein neuer Neophyt?

Vaccinium macrocarpum als Kulturpflanze kann wie die verwandte Kulturheidelbeere oder Gartenheidelbeere ( Vaccinium corymbosum ) aus Kulturanpflanzungen verwildern und sich möglicherweise in Mitteleuropa als Neophyt ansiedeln. Deshalb steht sie z.B. bei der Zentralstelle für die Floristische Kartierung Bayerns auf der Vorwarnliste möglicher invasiver Arten in Bayern. Allerdings kann hier sanfte Entwarnung gegeben werden, denn sie wird in den heimischen Moorgebieten locker von den endemischen Arten in Zaum gehalten, wenn nicht sogar verdrängt.

Er, der Braunbär nämlich , mag sie alle: ob Cranberry, Prieselbeere, Heidelbeere oder was auch immer. Noch mehr aus dieser Pflanzenfamilie könnt ihr in den folgenden Beiträgen/Links nachlesen.