
Von der Zirbelkiefer bis zum Edelweiß – 50 außergewöhnliche Alpenpflanzen werden hier als Überlebenskünstler der Alpenflora vorgestellt.
50 außergewöhnliche Alpenpflanzen – wobei sicherlich die Auswahl zu treffen fast am schwersten war, stehen hier stellvertretend für die Anpassungsfähigkeit der Pflanzenwelt an widrige Bedingungen. Ob Wind, Kälte, Hitze und extreme Sonneneinstrahlung; es gibt nichts, was Pflanzen zu ihrem eigenen Schutz nicht schon erfunden hätten. Pelzmantel, Sonnenschutzfaktor, Frostschutzmittel, Zwergwuchs, Mikroklima … an nachahmenswerten Strategien fehlt es hier nicht. In 50 spannenden Porträts werden die einzelnen Pflanzen und ihre Maßnahmen vorgestellt. Ob und wie ihnen der Klimawandel bereits zu schaffen macht, kann man leider auch verfolgen. Wer sich aufmerksam dieser Lektüre widmet, kann im folgenden Jahr bei Bergwanderungen dann respektvoll seinen Hut ziehen.
Daten zum Buch: Titel: Überlebenskünstler 50 außergewöhnliche Alpenpflanzen/ Autoren: Thomas Schauer, Stefan Caspari/ Gebundene Ausgabe: 256 Seiten/Verlag: Haupt Verlag; Auflage: 1. Auflage 2019/ISBN-13: 978-3258080796/
Zum Buch: Ein schönes dickes (256 Seiten) gebundenes Buch, eine Zirbe / Arve “ in Paynesgrau, Neapelgelb und Hookersgrün „, Stefan Caspari , als detailliert ausgeführte Illustration, leuchtet dem Leser einladend am Titel entgegen.
Die Autoren, Thomas Schauer , der Biologe und Stefan Caspari , als Fotograf und Illustrator, führen den Leser in den einzelnen Porträts vor Augen, wie erfindungsreich Mutter Natur doch sein kann, um das Überleben des Einzelnen oder eben einer ganzen Sippe, zu gewährleisten. Mein Tipp : Auch das Vorwort, eine kurze Geschichte der Alpenflora, sollte man unbedingt lesen.
Der Aufbau ist dann gegliedert nach den verschiedenen Standorten/Höhenlagen/Vegetationsstufen: vom (Titel) Zirbenwald bis ins Hochgebirge, vom Schneetälchen zu den Felsenspalten. Für Nicht-Botaniker ist am Schluss des Buches ein hilfreiches Glossar angefügt.
Fotografien der Standorte/Höhenlagen und illustrierte Artenporträts wechseln sich immer wieder ab. Wobei etwa bei den Flechten man als Zuseher nicht sagen könnte, was großartiger ist, die Fotografie oder die Zeichnung.


Immer liegt die besondere Überlebensstrategie im Fokus. Was äußerst spannend zu lesen ist, nicht nur für Laien oder Gelegenheits-Botaniker. Die Fragen, welche bei jeder vorgestellten Art/Gattung, gestellt werden, sind immer:
* Was macht ihre Besonderheit aus? * Wie sind sie optimal an ihren Lebensraum angepasst? * Wie wirkt sich die Klimaveränderung auf sie aus?


Beispiel 1 Alpenglöckchen /Soldanella
Eine Pflanze, die in Schneetälchen und auf Schneeboden beheimatet ist, muss sich – wie ja der Standort zeigt – etwas Besonderes einfallen lassen, um zu gedeihen. Jetzt will ich hier aber nicht mehr über die besonderen Fähigkeiten des Alpenglöckchens preisgeben, lesen Sie lieber selbst im Buch weiter. Faszinierend! S148/151
Beispiel 2: Ein den Bergsteigern und Wanderern eher unbekannes Pflänzchen ist der Knöllchen-Knöterich, Polygonum viviparum, der gleich mehrere die Fortpflanzung und Verbreitung sichernde Strategien parat hat. Zum einen lebt er in Symbiose mit diversen Pilzen, die der Pflanzenwurzel wichtige Nährstoffe garantieren. Als Sicherheit für die Fortpflanzung in dem sehr kurzen Lebens-Zyklus „Wachsen/Blühen/Samen bilden“, entwickelt er zwar Blüten, aber gleichzeitig produziert er Brutknöllchen, die am gleichen Stängel wachsen. Diese Knöllchen fallen bei Reife zu Boden und schwupp, treiben sie sofort kleine Wurzeln. Also „lebendgebärend=viviparum“ als Überlebensstrategie ist ja nicht die schlechteste Methode dafür. S 194/195
Auf meist zwei Doppelseiten wird eine bestimmte Pflanze oder deren Sippe porträtiert. Grafisch liebevoll mit Fotos und Illustrationen unterlegt. Grafisch gesehen, ist etwa die Schönheit der Flechten, in Fotografie und Zeichnung gleichwertig exzellent dargestellt. Der Text ist in einer gut verständlichen Sprache gehalten, so dass sich auch Nichtbotaniker wohl fühlen können.
Für wen ist dieses Buch empfehlenswert?
- Jeder Bergblumenfreund wird seine helle Freude damit haben, denn so manche Frage, die man sich insgeheim schon mal gestellt hat: „Wie kann denn nur das Blümchen x auf gerade diesem so unmöglichen Standort überhaupt überleben?„, wird hier beantwortet.
- Bergwanderer, die sich nicht ausschließlich über ihre sportliche Leistung definieren, sondern neben dem Panorama auch den alpinen Lebensraum mit Pflanzen und Tieren zu schätzen wissen.
- Jeder botanisch Interessierte, der bei dem Wort „Alpenblumen“ hellhörig wird.
- Übrigens, ganz viele der hier vorgestellten Strategien, treffen auch auf nicht-alpine extreme Standorte zu; wie etwa Küsten oder sogar Wüstengebiete.
Wer sich allerdings kaum für die Natur und schon gar nicht für Pflanzen interessiert, wird hier nicht der richtige Leser sein.
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