Allerlei Ritterliches rund um Pflanzen

Allerlei Ritterliches rund um Pflanzen

Feld-Rittersporn

Der Feldrittersporn ist Jahrespflanze 2026, also muss mehr an Ritterlichem her, oder was meint ihr?

Ritter: Die Namensgebung von Pflanzen und auch Tieren stehen immer in enger Beziehung zum Leben des Menschen selbst. Der Mensch ist Vorbild, der menschliche Stand, Beruf, Lebensgewohnheit wird in der Natur sozusagen wiedergefunden. Erinnern Teile seiner Kleidung an Pflanzen in ähnlicher Form, wird sie auch so in etwa benannt; seine Werkzeuge, seine technischen Hilfsmittel, alles eignet sich zur Namensgebung. Und so findet sich neben dem Ritter selbst eben auch noch sein Helm, der Sporn, das Schwert oder auch der Mantel wieder (obwohl natürlich in der Natur zuerst die betreffende pflanzliche Form da war, die dann der Mensch nachgeahmt hat; aber bitte – darüber wollen wir nicht streiten.)

Ritter : Mhd. Der Begriff wurde im 12. Jh. als das Rittertum hohes Ansehen genoss, als Standesbezeichnung in den allgemeinen Sprachschatz übernommen. Aus dem ehemals „Kämpfenden zu Pferd“ wurde ein ganzer Stand. Dutzende Eigenschaften, ritterliche, also einem Ritter geziemend, gehörten dazu: Beständigkeit/Treue zu sich selbst, Frauendienst, Gelassenheit, Mäßigung und Treue.

Zurück zu den Pflanzen; jetzt gehe ich auf die Suche nach allerlei Rittern.

Die verschiedenen Rittersporne, ob der Edle/Hohe, Delphinium, oder der einfachere Gefährte, der Feld- oder Acker-Rittersporn, Consolida regalis, aus der Familie der Hahnenfußgewächse fallen dazu als Erste ein; sie bereichern jedes Blumenbeet im eigenen Garten, auch wenn man sie in freier Natur nur mehr spärlich findet. Kleine Bemerkung: Essen sollte man sie nicht versuchen, denn sie sind alle miteinander unterschiedlich giftig, auch wenn sie in Urzeiten noch als Arzneipflanze Dienst leisten mussten. Es ist noch nicht lange her, da wurden beide Gattungen als Delphinium bezeichnet. Neben Consolida regalis gibt es noch Consolida ajacis, der als Grundlage für viele Züchtungen für die verschiedenen Garten-Rittersporn-Sorten (Delphinium) herhalten musste. In der Gattung Delphinium tummeln sich an die 250 Arten und nochmals soviele Züchtungen, die weltweit in den Gärten vertreten sind. Aber es lassen sich doch noch wunderschöne Arten in freier Natur finden: Delphinium formosum etwa aus der Türkei ist mehrjährig und wird bis zu 3m hoch, also quasi Strauchgröße. Delphinium macrocentron stammt aus Ostafrika. Aus dem Mittelmeerraum gibt es ebenfalls noch wild wachsene Arten, wie Delphinium staphisagria oder den blassblauen Delphinium pictum, asiatische Arten wiederum werden zur Züchtung herangezogen und, und , und.

Kommen wir zum Ritterstern

Ritterstern/Amaryllis

Auch wenn diese Zierpflanze bei uns eher unter Amaryllis im Sprachgebrauch gefunden wird, sie heißt eigentlich Ritterstern. Es kennt sie fast jeder, denn zur Weihnachtszeit überschwemmen die vorgezüchteten Rittersterne sogar die einfachen Supermärkte. Ein kleines Porträt dazu findet ihr hier. Sie erfreut vor allem die Zimmerpflanzenfreunde zur Weihnachtszeit.

Noch mehr an Ritterlichem findet man unter den typischen Merkmalen eines Ritters: Rüstung, Helm, Harnisch, Schwert, Sporn, etc.

Allermannsharnisch

Da kommt der imperiale Bruder vom Bärlauch, seltener, größer und schöner, aber fast gänzlich unbekannt, der Allermannsharnisch bzw. Allium victorialis ins Spiel. Auch von diesem hübschen Kerl gibt es bereits ein Porträt. Der Allermannsharnisch ist, der Legende nach, mit überirdischen Kräften versehen. Er schützt (im Mittelalter dachte man das jedenfalls) Kriegsleute und Ritter, vor Hieb und Stich. Ein Wurzelstück als Amulett getragen, wird so die auch Sieglauch genannte Pflanze, zum Harnisch jeden Mannes. Na, wenn das nicht ordentlich ritterlich ist, was dann?

Jetzt hätte ich noch einen Helm anzubieten:

Alpen-Helmkraut

Zum Helm fällt mir natürlich das Helmkraut , Scutellaria, aus der Familie der Lippenblütler ein. Wobei ich dann am ehesten an das Alpen-Helmkraut (Scutellaria alpina) denke, dem ich wandernd oft genug in den Bergen begegne.

Beim Schwert muss man nicht weit suchen, denn eine ganze Pflanzenfamilie, nämlich die Schwertliliengewächse bieten eine Vielzahl an „ritterlich-schönen und edlen“ Pflanzen. Schwertlilie bezieht sich auf die aufrecht stehenden Blätter, die der Schneide eines Schwertes ähneln; das Schwert als Symbol der Ritterlichkeit. Auch aus diesem Grund zierte so manche Iris das Wappen der Adelsgeschlechter. Die Gladiole trägt das Schwert auch im Namen, deshalb auch die alte Bezeichnung (Schwertblume, Schwertel) von lat. gladus=Schwert.


So, Ritterling gibt es ja auch noch, ob damit früher ein „kleiner Ritter“ gemeint war? In der Biologie ist der Ritterling jedenfalls ein Pilz, Tricholoma; genug gerittert, falls sich bei mir in meinem Gedächtnis noch ein weiterer Rittersmann meldet, wird hier einfach ergänzt.