Silberwurz

Kein alpines Blümchen entzückt mich so sehr wie die Silberwurz (Dryas octopetala), von den ersten weißen Einzelblüten über ganze Blütenteppiche bis hin in den Herbst, wo die Silberschöpfe noch einmal vor Wintereinbruch bezaubern.

Die Silberwurz (Dryas octopetala) gehört zur Familie der Rosengewächse. Dryas=stammt von den Dryaden, den Baumnymphen, soll ein mythologischer Hinweis auf die Ähnlichkeit der Laubblätter mit den gebuchteten Laubblättern von Quercus petraea im fernen Griechenland sein. Der botanische Name erfolgte durch Carl von Linné. Das Artepitheton octopetala=leicht erklärt, denn es bezieht sich auf die acht (gr. octo ) (gr. petalon=Blatt) Blütenkronblätter. Die Begriffe Altere und Jüngere Dryaszeit wurden von Knud Jessen im Jahr 1935 geprägt. Und wie nicht weiter verwunderlich erklärt er sich aus den fossilen Funden in den sogenannten „Dryas-Tonen“ mit dem zahlreichen Nachweisen von der Weißen Silberwurz (Dryas octopetala), die während dieser Zeit (vor etwa 20.000 Jahren) in ganz Deutschland und Skandinavien verbreitet war.

Die Weiße Silberwurz ist als arktisch-alpine Art nicht nur in Europa beheimatet, sondern auch in Asien und Nordamerika und den arktischen Gebieten. Die Silberwurz ist ein polsterbildender Spalier-Zwergstrauch. Reich verzweigte Sprosssysteme breiten sich über den Boden aus, einige wenige Wurzeln dringen in die Tiefe und nur die Triebspitzen mit Blättern und Blüten setzen sich dem alpinen Klima aus. Auf kalkhaltigen, steinigen und flachgründigen Böden fühlt es sich wohl. Wurzelknöllchen helfen beim Überleben bis in die Höhe von 2.500m. Auch ein Wurzelpilz verbessert die Wasseraufnahme. So können diese Polster bis zu 100 Jahre Lebenszeit aufweisen, mal stirbt ein Teil ab, aber beständig kommt neues Leben dazu. Zum Schutz vor der UV-Strahlung sind die Blätter oberseits mit einer Wachsschicht versehen, die Unterseite schützt ein silberhaariger Filz (Silberwurz). Die Blüten richten sich wie ein Parabolspiegel immer zur Sonne aus. Im Zentrum dieser Polster ist es auch für Insekten um einiges wärmer und windgeschützter als im oft unwirtlichen Freien, deshalb werden sie auch fleißig als Schutz genutzt.

Als Frucht bilden sich bei der Silberwurz Haarschöpfe, die Blütenstiele verlängern sich kräftig, damit die sogenannten Federschweife nur gut genug vom Wind mitgenommen werden können. Die Federschweife dienen der Verbreitung durch den Wind, aber auch als Alpen-Schwemmlinge talabwärts finden sie neuen Boden. Mehr dazu finden Sie hier: Wenn der Wind sät. Im Volksmund heißen diese Gebilde auch „Wauderln, Jagabart, grantiger Jaga, Petersbart, Wilder Mann, Milchrosen“ … u.v.mehr.

Wie viele andere Alpinpflanzen auch, wurde die Silberwurz (ihre Blätter) auch als Heilpflanze verwendet. Sie soll gegen Durchfall und Entzündungen der Mundschleimhaut helfen. Unter der Bezeichnung „Kaisertee“ bekommt man sie heute noch in alpinen Regionen.

Wer Freude an alpinen Pflanzen hat, kann sich hier noch mehr anschauen: