Donnerblumen, Gewitterblumen

Donnerblumen, Gewitterblumen

Wenn Pflanzen als Wetterpropheten gelten, dann haben sie im Volksmund auch die entsprechenden treffenden Namen. Führt zu etwas Verwirrung, weil es viele Doppelbelegungen gibt, aber wir klären hier schon so Einiges auf.

Silberdistel/Donnerblume

Bedenkt man, dass der Mensch jahrhundertelang als Ackerbauer vom Wetter abhängig war, es aber keine Wettervorhersagen oder gar „Wetter-Apps“ gab, so galt es auf die Natur zu schauen. Viele blühende Pflanzen versuchen ihre kostbare heranwachsende Frucht vor Regen zu schützen und so schließen bei Wetterwechsel und wachsender Luftfeuchtigkeit eben viele Pflanzen rechtzeitig ihre Blütenköpfe. Ob Glockenblume oder Schöllkraut am Wegrand, Silberdistel am Berg, oder simples Gänseblümchen im eigenen Rasen; es lohnt sich einmal genauer hinzusehen.

Was bedeuten diese Wolken? Donner, Gewitter?

Den Donner im volkstümlichen Namen: Auffallend ist dabei, dass besonders viele Gebirgspflanzen wettermäßige Namen führen. Sicher darauf zurück zu führen, dass man einmal droben auf dem Berg nicht so rasch wieder umkehren konnte, um sich in Sicherheit zu bringen. Da musste man schon die Zeichen der Natur lesen lernen.

  • Donnerbuschen: Die Alpenrose, Rhododendron hirsutum, wird als Donnerbuschen/Donnerrosen bezeichnet. Die bewimperte Alpenrose reagiert durch ihre Behaarung/Wimpern noch deutlicher auf sich ändernde Luftfeuchtigkeit.
  • Donnerknöpf: Gemeint ist damit die Berghauswurz (Sempervivum montanum), deren Blütenstände sich bei nahendem Regen schließen.
  • Donnerrose: Damit wird gerne die Feuerlilie (Lilium bulbiferum) bezeichnet.
  • Donnerblume/Wetterblume/Gewitterblume eine der vielen Donnerblumen ist die kleine Königskerze (Verbascum thaspus). Bei ihr erfolgt eine Drehbewegung des Stängels am Morgen (bei Sonne in Richtung Osten) und bei herannahendem Regen in Richtung Westen.
  • Donnerblume: Klatschmohn (Papaver rhoeas) schließt in Windeseile bei herannahendem Gewitter seine zarten Blütenblätter, um seine kostbare Blüte zu schützen; Pollen und Nektar würden sonst rasch herausgewaschen werden und dann wird es nichts mehr mit hübschen Kapseln und Mohnsamen.
  • Donnerblume: Skabiose (Scabiosa sp.); hier kommt die Farbe ins Spiel, denn blaue Blumen sollen vor Gewitter schützen und so steckte sich so mancher Bergwanderer ein Sträußchen blaue Blumen an den Hut.
  • Donnerbart: so werden manche Sedum-Arten und Sempervivum tectorum/Jovis barba bezeichnet.
  • Donnerdistel: Cnicus benedictus, Cirsium, Carduus, Carlina acaulis
  • Donnerkraut: Rainfarn (Tanacetum), Hauswurz (Sempervivum) und der Waldsauerklee (Oxalis) gelten als Donnerkraut.
  • Donnernelke: Mal eine Nelkenart gemeint: Lychnis flos Jovis
  • Donnerwurz: siehe auch Donnerköpf Sempervivum

Als Gewitterblumen oder auch Regenblumen fungieren folgende Blumen:

  • Gewitterblume/Regenblume: Ehrenpreis (Veronica sp.) Egal ob Persischer Ehrenpreis oder Gamander-Ehrenpreis, fast alle kleinwüchsigen Ehrenpreisarten dienen als Regenblümchen. Bleiben die blitzblauen Blüten am Vormittag geschlossen, ist es den ganzen Tag über trüb und regnerisch.
  • Regendachl/Regenschirm: Frauenmantel (Alchemilla vulgaris), Tau sammelt sich in der Mitte der viellappigen Blätter. Aber beginnt das Frauenmantelblatt an den Rändern zu schwitzen (Guttationstropfen), ist Regenwetter im Anmarsch..
  • Regenblume: Gänseblümchen (Bellis perennis) schließt wie viele andere Korbblütler auch vor herannahendem Regenwetter sein Köpfchen.
  • Regenblume: Ringelblume (Calendula officinalis) ist ebenfalls ein toller pflanzlicher Hygrometer und reagiert schon Stunden vorab auf nahende Regenwolken.
  • Wetterdistel/Donnerdistel: Silberdistel (Carlina acaulis) Der Kranz aus trockenen silberweiß glänzenden Hüllblättern schließt sich nämlich, sobald sich die Luftfeuchtigkeit erhöht. Die Unterseite der Hüllblätter quillt auf und setzt so die Schließbewegung in Gang (hygroskopische Bewegung). Erst wenn es wieder trocken ist, die Sonne wieder scheint, öffnen sich die Körbe wieder. So heißt diese Distel nach dem nordischen Donar auch „Donnerdistel„.

Wie ihr seht, sind dem Wetter Tür und Tor geöffnet und in fast jeder Region ist es ein anderes Blümchen, das von alten Zeiten her das Wetter weist. Eine spannende und unendliche Geschichte, die nachzuforschen wirklich Spaß machen kann. Und wer sich als Wanderer, Sportler oder Gärtner auch mal mit offenen Augen umsieht, kann dafür sogar für sich selbst, verlässlicher als jede App, seine Wetterregel herleiten. Ein Buch, das sich die Wetterpflanzen und althergebrachtes überliefertes Wissen zum Inhalt hat, ist „Omas geniale Wetterpflanzen„(Grahofer). Sehr vergnüglich zu lesen.

Weiterführende Links zu Beiträgen über die einzelnen angeführten Pflanzen:

Ich hoffe, ihr habt wieder einmal euren Spaß beim Erforschen der diversen Blümchen; so wie ich beim Zusammensuchen!